21/06/2024
Franz Kafka (1883-1924), der nie geheiratet und keine Kinder hatte, ging eines Tages durch einen Park in Berlin, als er ein Mädchen traf, das weinte, weil es seine Lieblingspuppe verloren hatte. Gemeinsam suchten sie erfolglos nach der Puppe.
Kafka sagte dem Mädchen, sie solle am nächsten Tag wieder hierher kommen, und sie würden erneut nach ihr suchen.
Am nächsten Tag, als sie die Puppe noch nicht gefunden hatten, gab Kafka dem Mädchen einen Brief, der angeblich von der Puppe stammte. Darin stand: "Bitte weine nicht. Ich bin auf eine Reise gegangen, um die Welt zu sehen. Ich werde dir von meinen Abenteuern berichten."
So begann eine Geschichte, die bis zum Ende von Kafkas Leben dauerte.
Während ihrer Treffen las Kafka dem Mädchen sorgfältig geschriebene Briefe vor, die Abenteuer und Unterhaltungen enthielten, die das Mädchen entzückten.
Schließlich brachte Kafka die Puppe zurück (er kaufte eine neue), die nach Berlin zurückgekehrt war.
"Sie sieht überhaupt nicht wie meine Puppe aus", sagte das Mädchen.
Kafka überreichte ihr einen weiteren Brief, in dem die Puppe schrieb: "Meine Reisen haben mich verändert." Das kleine Mädchen umarmte die neue Puppe und brachte sie glücklich mit nach Hause.
Ein Jahr später starb Kafka.
Viele Jahre später fand das inzwischen erwachsene Mädchen einen Brief in der Puppe. In dem winzigen Brief, der von Kafka unterzeichnet war, stand:
"Alles, was du liebst, wird wahrscheinlich verloren gehen, aber am Ende wird die Liebe auf andere Weise zurückkehren."