01/09/2026
𝗪𝗶𝗿 𝘀𝗼𝗹𝗹𝘁𝗲𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗳𝗮𝗰𝗵 𝗺𝗮𝗹 𝗮𝘂𝗳𝗵ö𝗿𝗲𝗻 𝘇𝘂 𝗷𝗮𝗺𝗺𝗲𝗿𝗻.
„Die Hafermilch ist schon wieder leer!“
„Warum dürfen wir nicht noch einen Tag mehr Homeoffice machen?“
„Heute fehlten im Obstkorb die Kiwis."
Diese Sätze habe ich alle schon von MAs in Aufenthaltsräumen gehört und es einfach nur wahr genommen.
In den vergangenen zwei Wochen habe ich Pflegekräfte einer Intensivstation begleitet: zwei Tage Einzelgespräche, zwei Tage Teamworkshop.
Plötzlich verschiebt sich die Perspektive.
Das gesamte Team gleichzeitig in einen Workshop holen?
Unmöglich.
Die Station muss weiterlaufen. Menschen müssen versorgt werden. Notfälle interessieren sich nicht dafür, dass gerade Workshop, Mittagspause oder Feierabend ist.
Ich bekomme einen Einblick in einen Arbeitsalltag, der mich fast erschüttert:
Bis zu 10 Tage Schichtdienst am Stück.
30 Minuten Pause – theoretisch.
Mal kurz raus, um den Kopf freizubekommen? Schwierig.
Freier Tag? Es kann passieren, dass das Telefon klingelt, weil wieder jemand einspringen muss.
Und trotzdem sitzen mir Menschen gegenüber, die sagen:„Ich mache meinen Beruf echt gerne.“ Das hat mich berührt und auch beschämt. Den Luxus von einer ruhigen Pause gibt es wenig und Homeoffice natürlich gar nicht.
In den Einzelgesprächen ging es um die Herausforderungen, die einfach mal genannt und weitergegeben werden müssen. Nichts ändert sich über Nacht, das wissen wir alle!
Im Workshop wurde klar, niemand ist allein mit seinen Schmerzen. Nun war es wichtig realistische Lösungen zu erarbeiten: kurzfristig und auch langfristig.
Was können WIR verändern und wo müssen alte Strukturen aufgebrochen werden?
🌀 Wo müssen Abläufe besser werden?
🌀 Wie gelingt die Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen?
🌀 Was braucht es für mehr Zusammenhalt & klarere Verantwortlichkeiten?
🌀 Was kostet jeden Tag unnötig Energie?
🌀 Wie können wir verhindern, dass chronische Erschöpfung irgendwann als völlig normal gilt?
Wir haben Lösungen entwickelt, Verantwortlichkeiten benannt und konkrete nächste Schritte vereinbart.
Nicht nur darüber reden, was alles nicht funktioniert.
Sondern gemeinsam herausfinden, was wir schon ab morgen anders machen können.
Klar gibt es Grenzen. Ein Krankenhausapparat verändert sich nicht über Nacht.
Aber ein Team kann anfangen, seinen eigenen Handlungsspielraum wieder zu nutzen.
Und ich?
Ich bin nach diesen Tagen mit ziemlich viel Demut nach Hause gefahren.
Hut ab vor allen Menschen in der Pflege.
Für Eure Belastbarkeit & Verantwortung.
Ihr seid jeden Tag für andere da, wenn diese Euch am dringendsten brauchen!
Vielleicht sollten wir uns in unserer Arbeitswelt manchmal wieder fragen:
Brauche ich wirklich noch ein Benefit mehr oder brauche ich gerade einfach etwas mehr Dankbarkeit für das, was längst da ist?
Ich fahre nach Hause und gehe eine Runde mit Musik spazieren und merke, dass das schon Luxus ist……