23/08/2025
🚑 Ein Weg, ein Patient, eine Geschichte 🚑
Es war ein sonniger Nachmittag, als ich Frau S. abholte.
Eine ältere Dame, zierlich, mit wachen Augen und einem Lächeln, das stärker war als ihre schwache Stimme. Sie wusste, dass dies nicht einfach nur eine Fahrt war. Es war die Fahrt ins Hospiz.
„So, mein Fahrer“, sagte sie fröhlich, als ich ihr beim Einsteigen half, „jetzt geht’s zur letzten Station. Aber machen Sie sich keine Sorgen – ich hab keine Angst.“
Wir fuhren los. Auf der Strecke erzählte sie von ihrem Leben: von den Kindern, die sie großgezogen hatte, von ihrem Mann, den sie schon vor Jahren verloren hatte, und von den kleinen Dingen, die ihr immer Freude bereitet hatten – ein Glas Wein auf der Terrasse, das Lachen ihrer Enkel, der Duft von frischem Apfelkuchen.
„Wissen Sie“, sagte sie, „viele glauben, im Hospiz sei alles nur traurig. Aber ich will da nicht trauern, ich will da lachen. Die sollen mich dort kennenlernen, wie ich bin – eine, die nie aufgehört hat, das Leben zu mögen.“
Sie lachte herzlich, als sie erzählte, dass sie sogar ihre Lieblingsdecke eingepackt hatte: bunt kariert, „damit’s keiner übersieht“.
Als wir ankamen, half ich ihr vorsichtig hinaus. Sie blieb kurz stehen, sah mich an und zwinkerte.
„Danke, dass Sie mich gebracht haben. Sie waren heute mein letzter Chauffeur – und wissen Sie was? Ich hätt mir keinen besseren wünschen können.“
Dann drehte sie sich um und ging, aufrecht, mit kleinen, festen Schritten, als würde sie in ein neues Kapitel gehen.
Ich blieb noch einen Moment sitzen und dachte:
Manchmal fahren wir Menschen nicht nur von A nach B.
Manchmal fahren wir sie dorthin, wo sie ihr letztes Stück Weg beginnen.
Und auch dann können Lächeln, Leichtigkeit und Menschlichkeit der wichtigste Teil dieser Fahrt sein.
👉 Jede Woche teile ich hier Geschichten.
Aus dem Taxi 🚖 und aus dem Krankentransport 🚑.
Geschichten, die zeigen, wie nah Freude und Traurigkeit manchmal beieinanderliegen – mitten im Leben.