23/04/2026
Sehr geehrte Damen und Herren von Radio Bremen -
mit Entsetzen habe ich gestern Ihre kostenlose Werbesendung für uber hören müssen. Ich weiß nicht, ob Ihnen die Tragweite wirklich bewusst ist.
Ein kapitalkräftiger, weltweit agierender Player gegen einen genossenschaftlich organisierten, seit über 130 Jahren existierenden Verein (fragen Sie Herrn Böhling, er hat unser 111jähriges Jubiläum mit gestaltet. Fragen Sie JUK nach der Badeinsel-Regatta seinerzeit). Mietwagenunternehmer aus dem Umland, Fahrer ohne Ortskenntnis (Herrn Scheuer sei Dank) gegen über 200 Bremer Familienbetriebe, einige, wie ich, seit Jahrzehnten auch für Ihr Haus tätig. Wir sind langjährige Steuer- und GEZ-Zahler, haben Betriebs- und Beförderungspflicht (ja, auch zu Covid-Zeiten, erinnern Sie sich?), bieten nach wie vor ohne öffentliche Subventionen ein Frauen-Nacht-Taxi an, und unsere behördlich fest gesetzten Tarife werden von Gutachtern auf Auskömmlichkeit geprüft. Gegen einen Laden wie uber können wir jede Unterstützung gebrauchen - und Sie hofieren ihn statt dessen. App-Bestellung? Bewertung der Fahrer / des Fahrzeugs? Gibt es beim Taxi-Ruf Bremen längst! Und wenn Sie die Medien verfolgen, wüssten Sie, in welchem Umfang in München oder Frankfurt Kontrollen bei uber zu Ermittlungen führen: Verstöße gegen Aufzeichnung- Sozialversicherungs- und Rückkehrpflicht, illegale Beschäftigung, ungültige Konzessionen (uber HB KC 716 seit geraumer Zeit ohne blaue Ordnungsnummer unterwegs…).
Ihrem journalistischen Auftrag nachkommend hätten Sie auch über Folgendes berichten können: seit 2026 müssen alle Taxis und Mietwagen (also auch uber) mit einer so genannten Technischen Sicherheitseinrichtung ausgestattet sein, einer Art Online-Anbindung ans Finanzamt. Darüber wird jeder Meter Fahrt, ob besetzt oder frei, jede Sekunde Arbeitszeit und jeder Cent erfasst. Kostenpunkt pro Auto 1.200 - 1.500€ plus eine monatliche Gebühr von ca. 30€. Uber wurde von den Bremer Behörden im Handstreich von diesem Bundesgesetz befreit, wie auch von dem nach BO-Kraft vorgeschriebenen Wegstreckenzähler (Ersparnis pro Auto: ca. 1.000€ plus EU-Konformitätserklärung, 700€, plus jährliche Eichgebühren, ca. 150€). Ein Antrag des Taxigewerbes auf Festpreise, in anderen Städten zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit längst positiv beschieden, liegt dagegen sei mittlerweile 14 Monaten in der Schublade. Merken Sie etwas?
Hier kämpft ein langjähriger, verlässlicher Teil des Bremer ÖPNV um seine Existenz. Ihre Haltung als lokaler, öffentlicher-rechlicher Sender gegenüber dem lokalen Gewerbe enttäuscht mich zutiefst. Als Bremer, der mit Karl-Heinz Cahlenberg und Monika Kluth aufgewachsen ist hätte ich mehr Solidarität erwartet. Sie können sicher sein, dass ich meinen Fahrgäasten gegenüber meine Meinung dazu nicht verbergen werde.
Mit weniger freundlichen Grüßen
Wolfgang Verbeek